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    Eine andere Liga

    Von Administrator | 28.September 2005

    Holger – Ich war in der Matrix. Meine Frau hat mich da hin geschleppt. Und ich bin heilfroh, daß ich wieder raus gekommen bin.

    Ab und zu muß ja ein Onliner seinen PC verlassen, um aus dem virtuellen Raum in das wirkliche Leben einzusteigen. Also reißt mich mein liebend Weib zuweilen aus meiner geordneten Computerwelt und konfrontiert mich mit den angeblich schönen Dingen des Lebens. Wie der Kultur.

    Montagabend war es mal wieder so weit. Die Geliebte hatte beruflich in Hamburg zu tun. Filmfest. Premiere. Stars. After-Show-Party. Da muss der Gatte einfach mit. Schon allein, weil einer ja nüchtern bleiben und nach Hause fahren muss.

    Gezeigt wurde der Film “Eine andere Liga”. Eine wunderbare Tragikomödie von Buket Alakus mit einer großartigen Karoline Herfurth (“Mädchen, Mädchen”, “Crazy”) in der Hauptrolle. Vordergründig geht es um Frauen-Fußball, genaugenommen aber um ein Mädchen, das mit der schweren Hypothek einer lebensbedrohlichen Krankheit zurecht kommen muss. Absolut sehenswert, wenn auch erst ab 26. Januar in den Kinos.

    Ich weiss nicht genau, wann ich in die Matrix hineingezogen wurde. Ich glaube, das war der Moment, als ich am Roten Teppich vor dem Ufa-Filmpalast Am Grindel stand und vom Haus-Fotografen der Festspiele Schläge angeboten bekam. Ab da war ich irgendwie im Film.

    Für dieses Bild hätte es beinahe Schläge gesetzt
    Für dieses Bild hätte es beinahe Schläge gesetzt

    Während alle Zeitungsfotografen und TV-Kameraleute hinter der Absperrung der Promis harrten, die sich auf dem Roten Teppich fotografieren und filmen lassen sollten, durfte dieser Festival-Knipser sich als einziger auf dem Läufer bewegen. So weit so gut. Er ging aber nicht weg, nachdem er seine Fotos gemacht hatte, sondern baute sich breit vor den Objektiven der anderen auf und unterhielt sich mit den Stars. Als ich ihn am Arm zupfte und ihn bat, ein Stück zur Seite zu gehen, weil mein geliebtes Weib auch ein Foto machen wollte, bot er mir besagte Schläge an. Oder die sofortige Verhaftung durch die Polizei.

    Ab da führte mir die Matrix weitere surreale Bilder vor. Kurz vor dem Hungertod stehende Mädels, die mit lautem “Haaaaiiiii” die Umgebung darauf aufmerksam machten, daß man sich kannte im Filmbusiness. Schwarzgekleidete Rollkragen-Wim-Wenders-Brillen-Träger mit 30 Jahre jüngeren Blondinen im Arm. Obercoole “Das Wunder von Bern”-Hauptdarsteller, die sich demonstrativ vom ganzen Filmgeschäft angeödet zeigten. BaskenmützenzurSchausteller, die sich mit jedem anderen auf deutsch, aber untereinander lauthals auf französisch verständigten. Und mitten in der Vorstellung dann, an einer völlig ruhigen Stelle des Films, eine junge Frau die laut aufschluchzte, auf ihren Kinosessel stieg und einen Heulkrampf im Stehen bekam. Eine Messe.

    Nicht schlecht auch die After-Show-Party. Da der Film sich um ein Mädchen dreht, das leidenschaftlich gern Fußball spielt, fand die Premierenfeier auf dem Millerntor statt, im St.-Pauli-Stadion. Besser gesagt daneben. In einem düsteren, doppelstöckigen Baucontainer, den man nur betreten durfte, wenn man sich zuvor mit einem unlösbaren, grünen Armband markieren ließ. Um ihn zu erreichen ging es an einem halben Dutzend schlafender Obdachloser vorbei. Und vor und im Baucontainer diskutierte die Filmindustrie bei Cola-Prosecco (grauenvolles Gemisch) über die Finanzierung der nächsten Projekte.

    Aber zu jedem Ying produzierte die Matrix zum Glück auch ein Yang. Hark Bohm etwa, der bereitwillig Interviews gab. Leslie Malton, die ohne jedes Stargehabe auftrat. St-Pauli-Präsident Corny Littmann, den nur zu sehen ich mich schon freute. Und natürlich Hauptdarstellerin Karoline Herfurth. Die einzige Frau im ganzen riesigen Ufa-Palast, die Schmeichler von wahren Filmkennern unterscheiden konnte und mein Lob für Ihre Super-Darstellung nicht nur mit einem lieb dahingehauchten “Dankeschön” sondern auch noch einer innigen Umarmung bedachte.

    Und das war der Moment, an dem mich die Matrix wieder ausspie.

    Hauptdarstellerin Karoline Herfurth traf  ich in der Matrix
    Hauptdarstellerin Karoline Herfurth traf ich in der Matrix

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    Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 28. September 2005 um 08:07 Uhr von Administrator veröffentlicht. Sie können die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


    Topics: Allgemein

    2 Kommentare to “Eine andere Liga”

    1. Karoline Herfurth » Blog Archiv » Aufgefallen

      [...] Zur Erinnerung: Die Hauptrollen spielten Karoline Herfurth und Ken Duken.  (Premierenbericht des Autors dieser Zeilen hier). [...]

    2. Grimme-Preisträgerin | Karoline Herfurth

      [...] tolle Anerkennung für einen tollen Film, den ich im onlinErleben-Blog schon zur Premiere in Hamburg [...]

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